Das Prozesshafte in der Malerei
In seiner üppigen, gestisch-abstrakten Malerei untersucht der Künstler Dietmar Brixy das malstoffliche Verhalten der Ölfarben, ihre Materialität und ihre ästhetische Wirkung. Die pastosen Schichtungen seiner farbintensiven Materialbilder machen den intuitiv geleiteten Bildfindungsprozess des Malers sichtbar und werden für den Betrachter zu einer Entdeckungsreise.
Bildelemente überschreiten den schmalen Grad von Abstraktion zu Figuration
„Meine Bildwelt soll in ihrer Lesbarkeit für den Betrachter offen sein,“ formuliert Brixy seine Anforderung an die eigene Kunst. Wie im Rausch scheint er in den Farben zu schwelgen, wenn er diesen Anspruch in seinen Gemälden umsetzt. Die entfesselte Farbe fügt sich darin zu formlos irisierenden Flächen und Verläufen zusammen, bildet transparente Schlieren, opake Tropfen oder mäandert, mal horizontal, mal vertikal, in reliefhaften Farbflüssen über die Leinwand. Vereinzelt faltet sie sich wulstig auf oder sammelt sich, um haptische Inseln aus den Farbseen entstehen zu lassen. Bildelemente wie diese überschreiten den schmalen Grad von Abstraktion zu Figuration. Aus der Energie einer ursprünglich gestaltlosen Farbmaterie entstehen Formen – mal noch flüchtig, mal schon manifestiert. Diese Formfindung der Farbe interessiert den Maler. „Für mich steht immer das Prozesshafte im Vordergrund. Ich möchte mich überraschen lassen. Mich uneingeschränkt dem Zauber der Bildentstehung hingeben,“ beschreibt Dietmar Brixy seinen Zugang.
Ein kraftaufwendiger Malprozess
Sieben bis neun Ölfarbschichten legt er für seine expressive Schichtenmalerei an. Nachdem er die Leinwand schwarz grundiert hat, folgt eine Phase des Action- Paintings, während der der Pinsel zufällige Farbspuren auf der Leinwand hinterlässt. Darauf bringt er mit der Hand farbige Markierungen auf. Es ist die Ouvertüre zu dem nun folgenden kraftaufwendigen Malprozess, in dessen Verlauf sich der Künstler ganz und gar auf das Werden und Vergehen einlässt. Mit Pinseln, Spachteln, Malmessern, Kämmen, Rakeln, den Fingern und der ganzen Hand bearbeitet Dietmar Brixy die Farbe, mischt sie und trägt sie aus Tuben oder Eimern direkt auf den Malgrund auf. Anschließend wird gewischt, geschmiert, gegraben, modelliert, konturiert, auf- und abgetragen. Immer wieder prüft der Künstler die Ergebnisse, wägt ab, greift ein. Farbtiefe und -stärke, die Sättigung der Oberfläche und Leerstellen, Wiederholungen oder singuläre Erscheinungen ziehen seine Aufmerksamkeit auf sich und regen den experimentierfreudigen Geist zu spontanen Reaktionen an. Es werden dann Blattformen in die Farbe eingedrückt oder ein Bild durch Farbdripping dynamisiert. Am Ende steht ein unabhängiges, freies Bild, ein evolutionär entstandenes organisches Gewebe, das durch eine eigene, unausweichliche Dynamik charakterisiert wird.
Die Natur eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration
Mit jedem Gemälde findet Dietmar Brixy einen neuen Zugang zum Malprozess. Eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration bietet ihm die Natur. Er verarbeitet Eindrücke, die er auf zahlreichen Reisen wie nach Indien, Thailand, Malaysia oder den USA gewonnen hat, vor allem aber ist ihm der Garten seines Künstlerhauses in Mannheim-Neckarau ein wertvoller Impulsgeber. 2001 hat er das denkmalgeschützte ehemalige Pumpwerk direkt neben den riesigen Schloten des Großkraftwerks in Mannheim erworben und umgebaut. Seither dient es ihm als Wohnraum, Atelier und repräsentative Ausstellungsplattform. Um die neogotische Backsteinarchitektur des Gebäudes herum hat Dietmar Brixy seinen persönlichen Garten Eden angelegt, in dem vor allem Bambus, Iris, Feigen, Kamelien, Magnolien und Palmen wachsen. „Ich bin Maler und leidenschaftlicher Gärtner in einer Person. Der Wechsel von drinnen und draußen gehört zu meinem Tagespensum. Und damit die Wahrnehmung der ständigen Veränderung und des Prozesshaften. Das Aufgreifen von Zyklen. Das Sehen von Werden und Vergehen. Ein Feigenblatt, Bambushalme, Irisblüten. Ich sehe Strukturen, Details und Formen, aber auch Farbwerte als Lichtwerte. Wenn ich ein Blütenblatt betrachte, weiß ich, ich habe unzählige Möglichkeiten.“